Bildung auf die harte Tour

29. März 2010 – 12:38

Erst Schulschwänzer, dann kriminell, diese Laufbahn gibt es nicht nur im Berliner Stadtteil Neukölln. Doch dort formiert sich ein Bündnis, das Eltern strafen will, wenn die Kinder nicht zur Schule kommen.

Berliner ahnten es: Mindestens einer der geschnappten Pokerräuber stammt aus dem Bezirk, in dem die meisten Intensivtäter in der Hauptstadt ihr Zuhause haben: Neukölln. Sehr wahrscheinlich, dass die jungen Männer neben ihrer kriminellen Karriere auch eine Schulschwänzerlaufbahn hinter sich haben. Genau deshalb verfolgt der Bildungstadtrat des Bezirks, Wolfgang Schimmang, Verletzungen der Schulpflicht unerbittlich. Jetzt wurden Bundestagsabgeordnete auf die Malaise aufmerksam – und versprechen Hilfe.

50 Fehltage im Jahr

„Es bedarf liebevoller Zuwendung und strenger Intervention,“ sagt der ausgebildete Lehrer Wolfgang Schimmang. Der langjährige Bildungstadtrat im bekanntesten deutschen Problembezirk hat nur wenig Positives über die Situation an der Bildungsfront zu berichten. Steigende Migrantenanteile und abnehmende Deutschkenntnisse, kriminelle Jugendliche und ausgebrannten Lehrer, das Rütli-Debakel und den Schwänzer-Rekord. Seit seinem Amtsantritt vor 20 Jahren plagt der knorrige SPD-Bildungspolitiker sich auch mit dem leidigen Thema Schulschwänzen. Weil er gegen hartgesottene Lernverweigerer, die es locker auf 50 Fehltage im Schuljahr bringen, oft die Schule abbrechen und dann auf die schiefe Bahn geraten, auch auf harte Maßnahmen wie polizeiliche Zuführungen setzt und Bußgelder verhängt, betitelte ihn eine Zeitung schon mal als „Bluthund.“

Parteiübergreifendes Anliegen

Der 64jährige Schimmang ist die graue Eminenz hinter dem bundesweit bekannten Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky. Und der verlangt schon lange eine Änderung von Bundesgesetzen, um bei Missachtung der Schulpflicht etwa durch eine Kürzung des Kindergelds Sanktionen gegen die Eltern verhängen zu können. Jetzt springen den beiden sozialdemokratischen Urgesteinen ausgerechnet Unterstützer vom politischen Gegner bei: In der Bundestagsfraktion der CDU/CSU formiert sich eine Arbeitsgruppe Integration, die eine solche Gesetzesänderung auf den Weg bringen will. Angeführt wird die Gruppe von der direkt gewählten CDU-Abgeordneten Stefanie Vogelsang – die einstige Sozialstadträtin kennt die Probleme in ihrem Wahlkreis aus eigener Erfahrung.

Quelle/www.focus.de,   28.03.2010

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